von David Seren

Erwin Auer holt den Deutschlandrekord zu Swing

Am 18. Juni gelang Swing Teampilot Erwin Auer ein Flug vom Hohen Bogen im Bayerischen Wald bis in die Gegend von Bad Saulgau. Mit einer Wertungsstrecke von 304,2 km ist dies der weiteste Flug, der je einem Gleitschirmpiloten in Deutschland gelungen ist.
Im Gespräch verriet uns Erwin einiges über Flugtaktik, Wetterbesonderheiten und das, worum es beim Fliegen wirklich geht.

Swing: Wie genau hattest du die Route für den Flug im vorhinein geplant?
Erwin Auer: Eigentlich gar nicht. Was das angeht bin ich eine totale Niete. Sonst wäre ich vermutlich nicht geradewegs auf die Sperrzone bei Biberach zugeflogen. Als mein GPS mich davor gewarnt hat musste ich leider aus dem Wind drehen um nicht hineinzufliegen. Dann war der Flug leider recht schnell vorbei. Sonst wäre an dem Tag wohl noch einiges mehr drin gewesen.

Dein Flug ist ja nicht der erste 300er dieses Jahr. Was denkst du weshalb diese magische Grenze heuer so oft geknackt wird?
Die Frage kann ich so nicht beantworten. Für einen 300er muss einfach vieles gut passen. Windrichtung und -stärke, Thermikgüte, Position der Wolkenstraßen, etc. Ich habe beispielsweise bei 200km wirklich kämpfen müssen, weil einfach die Thermik eine Pause gemacht hat. Ich konnte mich gerade so mit einem Nullschieber retten. Und auch überhaupt aus dem Bayerischen Wald herauszukommen war nicht leicht. Bei Regensburg haben wir eine Art Wetterscheide. Wenn es bei uns gut geht, ist es draußen im Flachen oft sehr stabil. Wenn es aber draußen gut passt, haben wir mit Überentwicklungen zu kämpfen. So war es auch am Mittwoch. Ich musste mich unter 7/8 Bewölkung ziemlich rausmogeln.

Im Moment bekommt man den Eindruck, dass bei 300 noch nicht Schluss ist. Wie siehst du das?
Ich glaube wenn das Wetter passt, ist da auch noch mehr drin. Ideal sind Nordwest- und Nordost-Lagen. Die bringen kalte Luft zu uns. Wenn dann noch Rückseitenwetter die Labilität mitbringt, stimmen die Voraussetzungen.
Solche Flüge sind aber nur an den wenigsten Tagen möglich. Bei meinem ersten 200er im Jahr 2006, das war so ein Tag. Da wären 400km drin gewesen. Leider musste ich damals wegen der Nürnberger CTR die Wolkenstraße wechseln. Das hätte auch eigentlich klappen müssen, aber dann hat es mich so richtig runtergespült und ich stand in Null Komma Nix am Boden. Seither habe ich so eine Wetterlage nicht mehr erlebt.

Du fliegst ja in der Regel Hochleistungs-Schirme. Wieso wählst du diese Kategorie?
Ich komme einfach mit den Hochleistern besser zurecht. Ich brauche das Feedback und die Thermik-Eigenschaften, die sie bieten. Ich habe zuletzt auch ein paar Flüge auf dem EN-B Schirm Mistral 7 gemacht. Ein schöner Schirm, aber da fühle ich mich nicht so wohl. Vor allem fliege ich weniger konzentriert. Und ich habe das Gefühl „mit dem Core würde ich jetzt weiter kommen“. Das ist eine Kopfsache. Gerade bei Rückenwind fliegen die Mittelklasse-Schirme ja ziemlich problemlos mit mir mit. Der Core ist aber direkter und gibt mir auch mal vor was zu tun ist. Manchmal muss ich die Drehrichtung ändern oder ein Steigen auf der Strecke liegen lassen. Rückblickend bin ich immer froh über dieses Verhalten, weil es mich schneller voran gebracht hat. Es ist einfach so: Wenn ich mit dem Core nicht der Höchste bin, dann habe ich als Pilot einen Fehler gemacht. Wie gut ich Thermik nutzen kann, ist für mich die relevante Leistung.

Bei deinem Flug warst du ja mit dem Core 2 von Swing unterwegs. Ein Hochleister, aber nicht einmal die jüngste Generation. Welche Rolle Spielt das Material bei solchen Flügen?
Es ist auf jeden Fall so, dass man sich unter dem Gerät wohl fühlen muss. Es gibt Piloten, wie zum Beispiel Armin Harich, die mit Mittelklasse-Flügeln besser zurecht kommen. Ich bevorzuge eben die Hochleister.
Die Gleitleistung spielt bei unserer Fliegerei hier im Flachland eine geringere Rolle. Viel wichtiger ist für mich, dass der Schirm mir mitteilt, was in der Luft los ist. Einmal habe ich einen Gütesiegelschirm geflogen, der sehr gedämpft war. Da passierte lange Zeit nichts und dann kam der Totalzerstörer. Ich habe mich damit einfach nicht wohlgefühlt. Da war mir mein Wettkampfschirm wesentlich lieber. Und genau deshalb liebe ich das Handling der Swing-Schirme. Die teilen mit, was oben passiert.

Magst du uns noch etwas über deine nächsten Ziele erzählen?
Mein größtes Ziel ist es, mir die Freude am Fliegen noch lange zu erhalten. Das ist mir wichtiger als die weiten Strecken. Klar wäre es schön 350 oder 400 km zu fliegen, aber was wirklich zählt sind die Genussflüge. Wenn ich zum Beispiel über meine Heimat fliegen und die Landschaft ganz bewusst genießen kann.
Ich bin immer froh, wenn am 15. September die Punktejagd vorbei ist und ich wieder einfach so fliegen gehen kann. Aber ich weiß auch, dass es wieder kribbelt, sobald das Frühjahr kommt. Mein großes Vorbild ist da Sepp Gschwendtner. Er findet eine wirklich gute Balance. Er fliegt gern weit, aber nicht um jeden Preis.
Ich finde eben die Mischung macht’s. Die Punktejagd hat genauso ihren Reiz, wie das Genussfliegen. Und das ist ja auch das Schöne an unserem Sport. Er ist so abwechslungsreich.

Erwins Flug im DHV XC

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