Eigertour 2021 – Anne Jan Roeleveld, Helios RS
Ein Bericht von Anne Jan Roeleveld.
Eigertour 2021 Edition 4 ist vorbei, was für ein Erlebnis wieder! Diesmal war es aufgrund der Wetterbedingungen besonders anspruchsvoll. Wir hatten alles: Sonne, Regen, Hagel, Schnee, Gewitter, Wind. Die ersten 2 Tage waren aufgrund des Regens und der vielen Wolken eine Herausforderung. Die letzten 2 Tage konnten wir Thermik fliegen und größere Distanzen zurücklegen. Ein paar Statistiken von meinem Rennen: 8500hm, 75km gelaufen und 8,5 stund in der Luft. 11 turnpoints geholt.
Tag 1:
Das Rennen startete im Regen und wir kamen im Nebel an der ersten TP First an. Leider war mein Handy für 30 Minuten gesperrt, weil es unterwegs nass wurde und versuchte sich mit falschen Codes automatisch anzumelden. Da ich bei schlechter Sicht mein Handy zur Navigation benötige, bin ich weiter Richtung Bussalp gelaufen und bei Furggenhorn gestartet.
Männlichen (TP2) lag auch in den Wolken, aber zum Glück war es gleich nach dem Start komplett wolkenfrei und ich konnte unter der Lobhornhütte (TP3) landen. Dort wurde ich von Irene und Talak sehr herzlich mit Limonade und Kuchen empfangen.
Da sich eine Regenfront näherte, bin ich sofort nach Bällehöchst gelaufen und nach Saxeten geflogen. Inzwischen war es 19:00 Uhr. Einige beschlossen, das Morgenberghorn zu besteigen, aber ich dachte, das wäre zu riskant. Wenn mann nicht wegfliegen kannst, müss mann die Tracker um 20:30 Uhr ausschalten und dann zum Schlafen gehen und am nächsten Tag wieder hinaufgehen. Deshalb bin ich mit Stefan Zaugg ins Suldtal abgestiegen und habe im Hotel Pochtenfall übernachtet.
Tag 2:
Nachts hat es die ganze nacht geregnet. Um 6 Uhr machten wir uns sofort auf den Weg Richtung Renggpass. Nach 5 Minuten waren unsere trockenen Schuhe wieder komplett nass. Von der Standflue nach Frutigen geglitten. Ein besonderer Moment, wenn Sie Ihre Heimatstadt wiedersehen. Schnell gepackt und auf dem Weg zur Elsigenalp, dem nächsten Wendepunkt.
Unterwegs gab es zahlreiche Unterstützer aus Frutigen wie die Familie Inniger und Lilian von Känel mit Brot, Käse, Schokolade und Cola. Das war sehr motivierend!
Auf der Elsigenalp (TP4) war wieder alles in den Wolken und wir konnten leider nicht starten. Dort bin ich nach Adelboden abgestiegen. Beim Abstieg bekam ich Probleme mit meinem Knie. Die „Läuferknie“-Verletzung kam zurück. Am Donnerstag wurde das Rennen wegen massiver Regenfälle und der Gefahr von Erdrutschen von 15 Uhr bis Freitag 6 Uhr unterbrochen. Das hat mir gut gepasst und ich habe die Nacht zu Hause in Frutigen verbracht.
Tag 3:
Mein Nachbar Martin Rüesch-Herren brachte mich frühmorgens nach Adelboden. Damit war ich sehr froh, sodass ich genau um 6 Uhr wieder starten konnte. An diesem Tag hatte ich großes Glück. Nach einer Stunde war ich oben auf der Tschentenalp (TP5) und konnte bei klarer Sicht und leichtem Rückenwind gleich starten. Eine halbe Stunde später war alles bewölkt und der Nordwind hatte zugenommen.
Nach einem Gleitflug zur Mittelstation Bergläger bin ich zum Hahnenmoospass (TP6) gelaufen und konnte auch dort mit mässigen Rückenwind (15km/h) und schließenden Wolken noch starten. Nach einer Landung oberhalb der Lenk bin ich zum Betelberg (TP7) gelaufen und habe dort etwas gegessen und auf gute Thermik gewartet. Das hat gut geklappt. Viele Piloten konnten nicht alles zur Engstligenalp fliegen und landeten unter dem Ammertenpass. Am Metschstand konnte ich hoch Richtung Adelboden fliegen und am Chuenisbärgli wieder an Höhe gewinnen. Das war ein kleiner Umweg, aber es hat gut geklappt und ich war sehr glücklich, meinen Knien etwas Ruhe zu gönnen.
Auf der Engstligenalp (TP8) bin ich gleich wieder gestartet und über die Lohnergruppe nach Bunderchmi geflogen. Nach einer kurzen Hike zum Bunderspitz zusammen mit André Glauser und Christian Zumbach startete ich wieder Richtung Oeschinensee (TP9).
Es war jetzt halb vier und die Sonne stand wunderschön auf der Felswand am Fründenschnuer über dem Oeschinensee. Alle Piloten liefen zum Bluemlisalphütte hinauf, aber ich war bereit, die Chance zu nutzen, zu fliegen. Nach einer kurzen Wanderung nach Winteregg (dem Beginn des Fründenschnuer) ging es los und ich konnte 500 Höhenmeter in der Luft machen. Der Rest ging hinauf. Oben auf der Bluemlisalphütte (TP10) lag noch Neuschnee und bei jeder Schritt musste ich aufpassen, nicht auszurutschen.
Tag 4:
Die thermische Vorhersage wäre noch besser als am Freitag, aber der Wind in der Höhe wäre stark (30-40km/h). Da ich so viel wie möglich fliegen wollte, wartete ich bis die Thermik einsetzte. Ich startete um 10 Uhr von der Hütte und flog über die Bire zum Elsighorn. Dort kam ich sehr tief, konnte aber zum Glück über Kandergrund wieder Höhe machen. Auf 1800m machte ich die Überquerung nach Mäggissere, wo ich auf 1300m wieder tief kam. Bei Zismas konnte ich mich wieder anschluss finden und landete 300 Meter unterhalb der Niesen (TP11) und ging zusammen mit Samuel Trummer hinauf. Dort bekamen wir gratis getränke vom Bergrestaurant.
Der nächste Wendepunkt Glecksteinhütte war weit weg, die Frage ist, fliegt man links um den Reichenbach luftraum über das Morgenberghorn oder rechts über Frutigen und Kiental. Ich habe die Route über das Morgenberghorn, Schynige Platte, Männlichen gewählt weil die Wolkenbasis ziemlich tief war. Leider konnte ich in Burglauenen keine Anschluss mehr finden und bin gelandet und weiter nach Grindelwald gelaufen, bis das Rennen um 17 Uhr abgebrochen wurde. Ein spannender Endspurt mit Renato Späni in den letzten 10 Minuten.
Zufrieden mit dem Rennen! Auf zum nächsten Abenteuer.
